Projektwoche: Schüler werden zu Armutsdetektiven

11. Januar 2019 Ruth Henn

Als „Armutsdetektive“ haben die Jugendlichen der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Wachtberg während ihrer Projektwoche ganz neue Erfahrungen gesammelt: Sie mussten mit dem Hartz-IV-Lebensmittel-Budget einkaufen gehen und erlebten die Ausgabe von Lebensmitteln in der „ Zugabe“ hautnah mit. „Wir wollten die Jugendlichen dafür sensibilisieren, dass es auch bei uns Armut gibt und zugleich aufzeigen, welche diakonische Arbeit Ehrenamtliche leisten“, erläutert Martin Wolbers. Gemeinsam mit dem Caritasverband Rhein-Sieg hat der Engagementförderer der katholischen Gemeinde St. Marien Wachtberg das Projekt „Armutsdetektive“ zum fünften Mal initiiert und realisiert.

Kooperation mit Hans-Dietrich-Genscher-Schule
Schon seit 2014 besteht zwischen der Kirchengemeinde und der Hauptschule eine Kooperationsvereinbarung, in der vor allem diakonische und soziale Aspekte eine Rolle spielen. Zum Vorbereitungsteam um Martin Wolbers gehörte neben Annegret Kastorp vom Caritasverband Rhein-Sieg auch die ehrenamtliche Koordinatorin der Lebensmittelausgabe ZUGABE, Andrea Neu. In enger Absprache mit der Schule entwickelte das Team im Vorfeld der Projektwoche ein genaues Programm und nahm auch ein neues Experiment auf, das es in den Vorjahren so noch nicht gegeben hatte.

Einkauf für fünf Euro
Gleich am zweiten Tag der Projektwoche erhielten die Schüler dabei einen fünf Euro-Schein und sollten dafür eine Tagesration Lebensmittel einkaufen. „Rein rechnerisch stehen einem Hartz-IV-Empfänger 4,77 Euro pro Tag für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke zur Verfügung“ , erläutert Wolbers den Hintergrund der Aufgabe. Die Jugendlichen nahmen während des Einkaufs schnell Abschied von ihren Gewohnheiten – statt Markenprodukte gab es nur Artikel von Discountern und der teure Dose Energy-Drink blieb im Regal.

Lebensmittel sammeln und ausgeben
Hautnah erlebten die Schüler während der Projektwoche aber auch, was es heißt, zu helfen: So standen sie vor dem örtlichen Supermarkt und baten die Kunden um Lebensmittelspenden für die „ZUGABE“. „Es fällt nicht leicht, fremde Menschen um etwas zu bitten“, berichtet Wolbers von seinen Beobachtungen. „Doch die Schüler haben sich schnell überwunden und tolle Erfolge erzielt“, fügt der 53-jährige hinzu. So füllten die gesammelten Lebensmittel sieben Klappkisten, und die „ ZUGABE“ konnte sich zudem über Geldspenden in Höhe von rund 100 Euro freuen. Ihre eingeworbenen Lebensmittelspenden sortierten die Teilnehmer dann am nächsten Tag im Lager der „ZUGABE“ und erlebten dann auch die Einkäufe der Kunden mit.

Begeisterung für diakonisches Engagement wecken
Die Rückmeldungen der Schüler auf das Erlebte waren eindrucksvoll, wie Martin Wolbers sagt. „Im besten Fall gelingt es uns, ein wenig Begeisterung für diakonisches Engagement zu wecken“, sagt Wolbers. So gehört heute noch ein Mädchen zum festen Team der ZUGABE, die im vergangenen Schuljahr bei den „Armutsdetektiven“ dabei war.